Niemand weiß wie lange die Kraft reicht
Jeder von uns hat sein Päckchen zu tragen. Jeder von uns hat Dinge erlebt die nicht schön sind. Manche mehr als andere. Jeder trägt Narben mit sich.
Wir wissen alle das das Leben nicht nur aus den schönen Seiten besteht. Die Negativen Seiten werden lieber verdrängt als darüber zu sprechen, weil es einfacher ist. In unserem Leben ist es aber so, dass auch die Tiefpunkte eine wichtige Rolle spielen denn ohne sie weiß man die Höhepunkte nicht zu schätzen.
Was aber, wenn man glaubt, dass die Kraft nicht mehr reicht? Ich kann Menschen verstehen, die wirklich viel Mist durchmachen mussten, dass sie irgendwann keine Kraft mehr haben. Jeder von uns ist ganz anders belastbar als andere. Je nachdem wie schlimm es sich für den ein oder anderen anfühlt/angefühlt hat entscheidet auch darüber wie viel Kraft dieser Mensch hat um es durchzustehen. Viele Schicksale kann man glaube ich auch nur überstehen, wenn man über seine eigenen Kräfte hinaus geht, weil es in diesem Moment vielleicht auch gar nicht anders möglich gewesen ist. Unsere Kraft wird jeden Tag gefordert immer und immer wieder. Ganz egal ob im Job. In schweren Lebensphasen oder wo auch immer.
Vielleicht müssen wir auch stark sein für andere Menschen die es gerade nicht schaffen? Was auch Kraft kostet ist es wenn man mit Menschen zutun hat die sehr kompliziert sind und an denen man hängt aber denen man es nie recht machen kann, weil sie oft Dinge falsch verstehen. Verantwortung für andere zu übernehmen kostet ebenfalls Kraft aber wir tun es natürlich, weil wir niemanden im Stich lassen wollen. Manchmal gibt es Menschen von denen wir nicht loskommen und die uns mehr Kraft kosten als sie uns Kraft geben.
In meinem Leben hat es mich am meisten Kraft gekostet so zu tun als wäre alles okay aber das war es nicht. Ich hatte aber nicht die Möglichkeit zur Wahrheit zu stehen, weil es nicht nur mich betraf sondern auch andere Menschen. Ich habe jahrelang immer wieder um Menschen gekämpft die es am Ende aber nicht wert waren. Ich musste früh lernen Verantwortung für Dinge zu übernehmen für die ich viel zu klein gewesen bin aber die Person, die die Verantwortung hätte tragen müssen war nicht in der Lage dazu. Es gab auch Menschen um deren Liebe & Anerkennung ich sehr lange gekämpft habe, weil ich nicht verstanden habe warum mich diese Menschen nicht lieben. Auch der Verlust eines sehr wichtigen Menschen in meinem Leben hat sehr viel Kraft gekostet.
Die Kraft lässt nach… Man merkt, dass einem alles nur noch schwer fällt. Der Antrieb schwindet immer mehr. Man kann sich kaum noch aufraffen. Es gelingt einem auch nicht mehr alles zu bewältigen was erledigt werden muss. Selbst die kleinsten Dinge scheinen unmöglich. Und jetzt? Was macht man nun? Zwingt man sich dazu weiter zu machen? Gibt man sich dem hin? Holt man sich Hilfe? Sind wir jetzt schwach? Haben wir versagt? Sollte es uns peinlich sein? Was passiert denn jetzt? Fahren wir jetzt alles vor die Wand, weil wir nicht damit umgehen können?
Ja dieser Punkt wo die Kraft nachlässt und droht zu verschwinden ist definitiv nicht ganz ungefährlich. Wir unterschätzen das leider immer wieder, weil wir denken es muss doch weiter gehen. Wir erlauben es uns nicht mal schwach zu sein. Es soll alles weiter funktionieren wie bisher. Genau das ist der falsche Weg. Wenn man immer nur tut und macht ohne eine Pause ist doch klar, dass die Kraft irgendwann nachlässt. Wenn wir schwere Lebensphasen haben in denen viel Scheiße passiert setzt die Kraft natürlich irgendwann aus. Wir sind alle nur bis zu einer bestimmten Grenze belastbar und irgendwann ist eben Schluss. Sollte der Punkt erreicht sein ist es wichtig auf sich zu achten und darauf zu achten, dass man die Erschöpfung zulassen kann. Dann tritt man jetzt mal auf die Bremse. Jetzt sollte man sich wirklich mal um sich selbst kümmern.
Ist es Zeichen von Schwäche? Nein ist es nicht. Es ist ein Zeichen, dass man lange Stark gewesen ist aber nun eine Grenze erreicht ist. Natürlich ist das nicht peinlich und nein wir haben nicht versagt – wir sind an unsere Grenze gekommen. Es ist ein Zeichen von Stärke dazu zu stehen und es zu akzeptieren.
Wie immer toller Beitrag, gefällt mir wirklich sehr gut.