Ich kann nicht mehr heißt -> Ich habe zu lange

1. Januar 2022 1 Von Roy

Ich fing an den Satz ,,Ich kann nicht mehr” anders zu betrachten und mir ist aufgefallen, dass dieser Satz zeigt wie lange man schon zu viel erträgt, über sich ergehen lässt, weiter macht so wie bisher obwohl man das nicht möchte, an Menschen festhält die es nicht wert sind, einfach alles passieren lässt, sich kaputt macht, die Bequemlichkeit genießt, das was man fühlt unterdrückt, sich selbst zurücknimmt, sich quält, sich nach was anderem sehnt, sich verstellt, leidet ohne das es jemand wahrnimmt und so weiter. . . .

An diesen Punkt zu gelangen, dass man glaubt man kann nicht mehr ist alles andere als schön. Es macht einem Angst, weil man nicht weiß wie man damit umgehen soll. Man fühlt sich total unwohl, weil man sich irgendwie eingestehen muss, dass man doch nicht so stark ist wie man dachte. Es gibt einem vielleicht auch das Gefühl, dass man versagt hat. Man denkt sich das einem selbst sowas doch nicht passieren würde, warum auch? Man will es auch gar nicht wahrhaben. Man fängt an es einfach zu ignorieren und lenkt sich davon ab. Es wird von einem selbst so dargestellt, als sei es doch nur eine Phase. Das wird schon wieder und alles wird gut, redet man sich immer wieder ein. Niemand im eigenen Umfeld oder auch von außen soll etwas mitbekommen das wäre total peinlich und beschämend. Man würde ja gar nicht mehr richtig ernst genommen werden und alle würden einen behandeln wie ein Rohes Ei und bemuttern. Alle würden aufpassen das sie Dir nicht das Gefühl geben Druck auszustrahlen oder das es so rüber kommt, als hätte man Erwartungen an Dich. Dabei wird dann natürlich versucht es so rüber zu bringen, als würden alle total gut damit klarkommen und alle versuchen sich auch angestrengt so ,,normal” wie immer zu verhalten. Die Leute denken dann auch immer, dass das genau das richtige Verhalten ist und sie denken man würde gar nicht merken, dass sie eben nicht mit der Situation umgehen können und total überfordert sind. Für jemanden der sich in dieser Situation befindet gibt es nichts schlimmeres, als dann so behandelt zu werden die ,,Betroffenen” merken sehr wohl ob sich wirklich normal verhält oder ob man ihnen was vorspielt. denn die Leute sind ja nicht dumm nur, weil sie ihr Limit erreicht haben.


Irgendwann kam ich an einen Punkt wo ich es nicht mehr verdrängen konnte und wollte, weil ich gemerkt habe wie viel Kraft es kostet zu verdrängen. Sich einzustehen das man an dem Punkt angelangt ist, das man nicht mehr kann ist nichts was einem peinlich sein muss oder beschämend ist und als mir das klar geworden ist konnte ich auch viel besser damit umgehen und es auch zulassen. Ich habe mir die Frage gestellt wie ich nun damit umgehe und wem ich sage, was wirklich los ist. Es gab Leute die Verständnis hatten und Leute die damit nichts anfangen konnten. Oft musste ich mich erklären was gar nicht so einfach ist, wenn man es jemandem erklären muss, der nicht in der selben Situation ist. Ich habe gemerkt, wie intensiv sich Dinge anfühlen, wenn man sie ausspricht ich hatte plötzlich das Gefühl, dass das aussprechen meiner Situation mich befreit hat und die erste Hürde überwunden ist. Dann braucht es Mut sich damit auseinanderzusetzen, was wirklich los ist und sich auf die Suche nach den Gründen zu machen. Die Suche wird hilfreich aber vielleicht auch beängstigend sein, weil man sich mit allem in seinem Leben auseinandersetzen sollte und dies bedeutet auch, dass man sich trauen sollte zu 100% ehrlich zu sich selbst zu sein. Diese Ehrlichkeit zu sich selbst kann so einiges bewirken und ich glaube das wovor man die größte Angst hat ist die Veränderung in Form von Trennungen, neu Gestaltungen, Menschen loslassen, sich vielleicht auch mit Menschen auszusprechen, auf sein Herz zu hören und herauszufinden was man wirklich möchte und was man nicht mehr möchte um nicht wieder an diesen Punkt -> Ich habe zu lange – zu gelangen.



Man sollte die Erkenntnis als Hinweis sehen, weil es deutlich macht das irgendwas nicht stimmt. Wir alle haben nur begrenzt Kraft. Es ist doch normal das man an seine Grenzen kommt. Niemand kann dauerhaft nur Leistungen erbringen ohne einfach mal eine Pause zu machen. Jeder von uns braucht zwischendurch immer mal wieder eine Art ,,Neustart” mit all dem was wir so tun und vor allem in unseren Jobs wird uns jeden Tag Energie genommen und auf Dauer ist es logisch das wir uns diese verbrauchte Energie auch wieder zurückholen müssen. Wenn ihr gerade an diesem Punkt seid dann achtet auf euch, hört auf euren Körper und nehmt die Warnsignale wahr, denn es bringt niemanden etwas, wenn ihr euch weiterhin kaputt macht. Sich Hilfe zu holen, weil euer Limit erreicht ist, ist genau die richtige Entscheidung und das solltet ihr auf jeden Fall tun. Wenn ihr jemanden habt mit dem ihr wirklich reden könnt, dann tut dies denn man kommt viel besser mit schwierigen Situationen klar, wenn man weiß das man nicht alleine ist.