Jetzt bist Du ein Engel

25. Februar 2022 1 Von Roy

Die Nachricht, dass Du gehen wirst war mir schon lange bewusst. Was diese Nachricht aber mit mir machen wird das wusste ich allerdings nicht. Ich hätte auch nicht gedacht das es mich so treffen würde. Da kann man mal sehen wie sehr man sich selbst unterschätzen kann.

Eigentlich habe ich sehr lange nicht mehr an dich gedacht und versucht dich und alles was mit dir zutun hat einfach zu verdrängen. Für mich spieltest du in meinem jetzigen Leben keine Rolle mehr, naja das dachte ich zumindest. Der normale Alltagsstress und die Arbeit haben mich vieles einfach vergessen lassen. Mit dir wollte ich mich aber auch ganz bewusst nicht mehr auseinandersetzen. Musste ich bis zu der Nachricht von deinem Tod auch nicht. Es ging mir auch total gut damit das ich mir ein neues Leben aufgebaut habe und den Mut hatte quasi nochmal vor vorne anfangen zu können, ohne das die Leute meine Geschichte und meine Vergangenheit kennen. Mit all dem was in dieser ganzen Zeit passiert ist war auch kein Platz um mich mit dir zu beschäftigen, warum auch? Ich hatte mehr als genug zu tun und konnte genau das nutzen um dich immer weiter von mir weg zu schieben. Ich würde nicht sagen das ich feige bin oder ein schlechtes Gewissen dir gegenüber habe. Gut meinen Mitmenschen gehe ich damit auf die Nerven sich mit allem wirklich auseinanderzusetzen und Gefühle zu zulassen, ja ich weiß was dich betrifft widerspreche ich mir selbst aber jeder hat einen wunden Punkt, zu meinen gehörst eben du.

So ein Tag vor Weihnachten kam die Nachricht das du nicht mehr lebst. Anfangs ging es mir tatsächlich ganz gut muss ich sagen. Auch einige Tage danach war alles immer noch gut. Wie ich schon geschrieben habe, habe ich schon lange damit gerechnet, dass der Tag kommen wird wo du nicht mehr da sein wirst. Ich dachte auch die ganze Zeit das alles gut sei. Es hat sich auch erstmal alles ganz normal angefühlt. Nach so ca 2 Wochen habe ich aber gemerkt das irgendwas nicht stimmt aber ich wusste nicht was genau es ist, weil es erstmal nur unterbewusst gewesen ist. Es gab diesen einen Tag an dem plötzlich gar nichts mehr ging, nicht nur wegen deinem Tod sondern, weil ich eh an einem Punkt gewesen bin an dem ich keine Kraft mehr hatte und mir alles zu viel geworden ist aber dein Tod hat auch dazu beigetragen. Ich muss sagen das es mir echt lange nicht mehr so beschissen ging. Ich hatte keine Kraft mehr. Ich war dauermüde. Mir war eigentlich alles egal. Die kleinsten Dinge wie aufstehen schienen einfach nicht machbar. Ich kam an den Punkt wo ich mal wieder gemerkt habe, dass ich zu lange alles verdrängt habe und ich also keine andere Wahl hatte, als es dann zu zulassen. Ich kenne das ja bereits und naja ihr mehr oder weniger auch. Irgendwie ist eines der Themen hier aber das liegt auch daran, dass es sich nun mal wiederholt und ich es wichtig finde darüber zu schreiben.

Ich bin froh das ich dir bereits vor einigen Jahren schon alles gesagt habe was mir wichtig gewesen ist und ich dich somit mit einem guten Gewissen gehen lassen konnte. Ja es ist viel passiert. Nicht alles was passiert ist, hätte passieren dürfen. Ich wollte aber nie Rache oder das dir irgendwas passiert. Ich habe irgendwann einfach mit dir abgeschlossen und mich auf andere Dinge in meinem Leben konzentriert. Klar habe ich zwischendurch an dich gedacht. Gut nicht immer ganz freiwillig aber es war okay. Meistens wusste ich ja was du machst und zumindest einigermaßen wie es dir geht. Desto mehr Zeit vergangen ist desto mehr konnte ich anfangen irgendwie damit klar zu kommen dass du eben so bist wie du bist. Es hatte lange Zeit sehr weh getan das du mich nicht so akzeptierst hast wie ich es mir gewünscht hätte. Du hast Worte gesagt die bis heute eine Wirkung haben. Du hast mir gezeigt wie ich definitiv nicht werden möchte/sollte. Durch dich habe sehr krass gesehen wie Menschen abstürzen und Stück für Stück alles verlieren können. Immer mehr Menschen haben sich distanziert und irgendwann hattest du einfach niemanden mehr. Leider muss man sagen das es deine eigene Schuld gewesen ist und du es selbst hättest ändern können. Klingt das gerade krass oder ist das zu heftig? Ich finde nicht. Es ist einfach nur die Wahrheit.

Kommen wir aber auch mal zu positiven Dingen. Ich möchte dir gegenüber trotzdem fair sein und es war auch nicht alles schlecht. Du hast mir schon einiges beigebracht und es gab auch schöne und lustige Momente. Was ich von dir habe? Ich liebe es mir Kopfhörer aufsetzen und die Welt auszublenden und genau das hast du auch so gerne getan. Auch was Ordnung angeht bin ich glaube ähnlich wie du. Ohne Punkt und Komma reden konntest du auch sehr gut, das habe ich auch von dir. Dir was es immer wichtig das man sich gut benimmt und respektvoll ist. Ich würde sagen das gelingt mir meistens ganz gut. Ich erinnere mich oft daran wie wir uns über Musik unterhalten haben und das teilweise mehrere Stunden oder wie wir es genossen haben mit Laika spazieren zu gehen und einfach nur die Natur auf uns wirken lassen haben.

Ja gerade habe ich irgendwie schon ein wenig Gänsehaut muss ich sagen. Seine Gedanken was deinen Tod angeht gerade geschrieben zu sehen ist schon komisch irgendwie aber es ist für mich ein Abschluss eines Kapitels und irgendwie fühlt sich das hier gerade richtig an. Du bist der Grund warum es mich überhaupt gibt und ich finde man sollte dir trotz allem was zwischen uns passiert ist die letzte Ehre erweisen.

Du wirst immer ein Teil von mir sein das ist mir bewusst. Ich hoffe einfach das es dir nun gut geht wo du bist. Wir hatten eine sehr aufregende Zeit mit Höhen und Tiefen. Es war nicht immer einfach. Es ist viel schlimmes passiert aber genau das hat mich stark gemacht und es prägt mich mein ganzes Leben.