Das Arbeitsleben und die Geschlechterrollen

4. Oktober 2023 0 Von Roy

Wenn man im Sozial oder im Gesundheitswesen arbeitet bekommt man ein Gespür dafür wie sozial die Menschen sind die Dir in Deinem Berufsalltag begegnen. Ich finde es immer wieder erstaunlich wie unhöflich man sei kann, obwohl man Hilfe von anderen Menschen braucht. Sei doch einfach nett, wenn Du etwas von anderen Menschen möchtest. Jeder von kennt es das ein Lächeln oder ein bisschen gute Stimmung den ganzen Tag verändern kann. Ist es aber so das man selbst vielleicht nicht so gut drauf ist und vielleicht auch nicht genug geschlafen hat ist man deutlich empfindlicher und schneller gereizt. Es macht dann einen sehr großen Unterschied wie Dir dann die Menschen begegnen. Ja ich weiß es ist mein Job immer freundlich zu sein und meistens gelingt mir das auch aber es gibt auch Tage wo dies eben nicht so ist und ich dann sehr glücklich bin, wenn ich ein Lächeln geschenkt bekomme. Ich werde auch nie verstehen wie man abwertend gegenüber Menschen sein kann, die einen ganz normalen Job machen nur leider gibt es auch heute noch Generationen die irgendwie stehen geblieben sind und nicht verstanden haben, dass sich auch das Arbeitsleben weiterentwickelt hat.

Ich arbeite in einen Beruf der überwiegend von Frauen ausgeführt wird. Keine Ahnung ob meine Sexualität eine Rolle spielt. Ich habe überhaupt kein Problem mit meinem Beruf und das ich einer der wenigen Männer in diesem Beruf bin. Einige Menschen mit denen ich aber in meinem Beruf zutun habe scheint es dort ganz anders zu gehen. Gut wenn’s gut läuft werde ich manchmal sogar für den Chef gehalten, wenn’s schlecht läuft werde ich ignoriert und die Anliegen die auch bearbeiten könnte müssen dann meine Kolleginnen bearbeiten. Am Anfang hat mich das ziemlich verletzt aber irgendwann lernt man eben damit umzugehen. Da Geschlechterrollen aber immer noch ein großes und auch wichtiges Thema sind, schreibe ich darüber und möchte meine Erfahrungen mit euch teilen. Ich bin gelernter MFA (Medizinischer Fachangestellter) auch bekannt als ”Arzthelfer” oder für die älteren Generationen auch als ”Sprechstundenhilfe” jedes mal, wenn ich dieses Wort höre muss ich mich zusammenreißen. Wir sind definitiv mehr als nur eine ”Hilfe” denn wir sorgen dafür, dass die gesamte Praxis inklusive aller Abläufe überhaupt funktioniert. Der Beruf wird nach wie vor mehr von Frauen ausgeführt und das ist für mich vollkommen okay. Jeder soll den Beruf ausüben der zu einem passt. Ich bin da total offen und tolerant. Im Gegensatz zu v.a der älteren Generation. Okay Stopp! Bevor ich beschuldigt werde die ältere Generation zu diskriminieren, nein, sie dient hier nur als Beispiel, weil ich hier von meinen Erfahrungen berichte. Natürlich gibt es Diskriminierung in jeder Altersgruppe. Aber v.a was das Gendern, Geschlechtsdysphorie, Homosexualität oder eben die Geschlechterrollen betrifft ist es eben nun mal die ältere Generation, die entweder total dagegen ist oder sich ziemlich schwer damit tut.

Bei mir sind es meistens die älteren Männer, die nicht begeistert sind, wenn ich an der Anmeldung sitze und sie begrüße. Woran ich das merke? Das sie bei mir nicht lächeln und keine Späße machen, sondern einfach nur schnell einen neuen Termin wollen und sich oft auch nicht mal verabschieden. Ich weiß nicht warum. Ich bin zu allen Menschen gleich freundlich und behandle niemand anders aufgrund seines Geschlechts, warum auch? Ob Dich beim Arzt an der Anmeldung oder im Labor eine Frau behandelt oder ein Mann, ist doch total egal? Leider sehen das einige Menschen eben nicht so. Ich bekomme nicht immer eine Antwort, wenn ich danach frage ob der Patient aufgrund von Beschwerden da ist oder einfach nur zur Kontrolle. Leider gibt es auch nicht immer eine Begrüßung zurück. Das finde ich immer noch sehr schade und manchmal verletzt es mich immer noch. Respekt sollte man immer haben auch, wenn Dir Dein Gegenüber vielleicht nicht sympathisch ist. Ich denke mir dann immer: Du willst doch gerade was von mir. Also sei doch respektvoll? Ich will Dir doch helfen aber dann kannst Du Dich doch auch vernünftig verhalten. Ich mache es andersherum genauso. Und jetzt kommt mir nicht mit ja aber andere Generationen andere Sitten oder so’n Müll. Ne mal ganz ehrlich was war das denn bitte damals für eine Generation wo Frauen ihren Mann fragen mussten ob sie überhaupt arbeiten gehen dürfen? Wo die Frau nichts anderes anderes war als Köchin, Gebärmaschine und Putzfrau? Wo Männer als die Helden dargestellt wurden (okay zum Teil werden sie es heute immer noch) Für mich klingt das jetzt nicht nach einer tollen und glücklichen Generation. Natürlich muss sich auch die ältere Generation anpassen. Die Dinge haben sich nun mal geändert und der Krieg ist vorbei. Wir sind moderner geworden. Zum Glück!

!! Solange die Person Ahnung von ihrem Job hat und ihre Sache kann sollte es keine Rolle spielen ob Mann oder Frau. 😉 !!

Man kann nicht einfach so tun als würde es die Weiterentwicklung nicht geben und sich dagegen wehren. Na klar kann ich verstehen, dass man länger braucht sich mit Veränderungen auseinanderzusetzen aber es gar nicht zu tun, funktioniert einfach nicht. Ja ich bin sauer wie man merkt, weil ich es aber auch einfach nicht mehr hören kann. Nur weil Menschen ”alt” sind ist das kein Freifahrtschein um in der damaligen Zeit stecken bleiben zu dürfen! Dürfen wir doch auch nicht und müssen mit all den Weiterentwicklungen zurecht kommen. Mir passen auch nicht alle davon und interessiert doch auch niemanden? Warum also soll ich dann darauf Rücksicht nehmen müssen nur, weil jemand älter ist? Die Person ist doch sowieso in Rente also hat sie doch auch genug Zeit sich mit der heutigen Zeit auseinanderzusetzen. Klingt hart aber ist doch so? Natürlich muss man nicht alles gut finden (tue ich auch nicht) aber man muss auch nicht immer äußern, wenn man etwas nicht gut findet. Nur, weil es für die Generation damals normal war, dass Männer in handwerklichen und körperlich anstrengenden Berufen arbeiten und Frauen, (mehr) im Gesundheitswesen oder in der Verwaltung, kann man doch nicht heute jemand abwertend behandeln der dieser Rolle nicht mehr entspricht, weil es heutzutage eben keine Rolle mehr spielen sollte ob Mann oder Frau. Wenn es nach der Generation gehen würde, wären wir ja immer noch im Krieg stecken geblieben.

Kann es sein, dass ich mich nun unbeliebt mache, ja? Ist es mir egal? Nein. Was will ich damit bezwecken? Ein umdenken und ein erklären. Ich will hier niemanden angreifen. Ich möchte einfach nur mitteilen, dass man mit Leben gehen und wachsen muss. Es geht alles weiter und kein Zeitalter/Jahrhundert bleibt dauerhaft und das bedeutet, dass man sich anpassen muss, weil man sonst nicht mehr zurecht kommen wird oder sich vielleicht sogar unverstanden fühlt. Nochmal: Man muss nicht alles toll finden und darf auch kritisch sein aber heutzutage sollte man Meinungen, die andere verletzen (je nachdem wie man sie äußert) für sich behalten. Klar darf man trotzdem seine Meinung sagen aber achtet bitte auf eure Wortwahl.