Die Dinge nehmen ihren Lauf

14. März 2026 0 Von Roy

Etwas das ich auf dem Weg der Heilung gelernt habe ist, das einige Dinge ganz automatisch ihren Lauf nehmen. Ich musste lernen die Kontrolle beruhigt abzugeben und dem Prozess zu vertrauen aber vor allem mir selbst zu vertrauen. Das Jahr 2025 hat bewiesen das ich das kann. Es war kein leichtes Jahr, weil ich mit starken Depressionen und Panikattacken zu kämpfen hatte. Ich hatte absolut keinen Plan wie es weitergehen soll. Zwischendurch war es mir auch einfach egal gewesen. Aufgeben kam aber trotzdem nicht Infrage.

Ich merkte irgendwann als ich mit dem Führerschein anfing, dass sich etwas getan hat und die bisherige Therapie ihren ersten Erfolge zeigte. Ich war deutlich gelassener und stolz besonders auf die kleineren Erfolge. Auto fahren ist für Menschen, die einen geliebten Menschen bei einem Unfall, den sie selbst mit angesehen haben, alles andere als einfach oder selbstverständlich. Ich hatte wirklich echt Angst vor dem Auto fahren. Nicht nur wegen dem Unfall von damals sondern, weil man ja irgendwie darauf vertrauen muss, dass die anderen Autofahrer das irgendwie hinkriegen und dennoch kann immer was passieren. Es hat echt ne Weile gedauert bis ich damit klar gekommen bin. Auf diese Erkenntnis das Vertrauen in mich selbst funktionieren kann war deutlich stolzer, als auf das Auto fahren selbst. Für mich war es lange unmöglich mir selbst zu vertrauen, wie denn auch? Wenn es nie gelernt hat?

Ein weiteres Thema war die Erkenntnis, mich auf das Hier & Jetzt zu fokussieren und mir selbst zu sagen, dass alles gut ist auch, wenn sich mein Leben besonders letztes Jahr komplett neu geordnet hat. Irgendwann war die Neugier viel Größer als die Angst. Wunderschönes Gefühl. Mein Aufpasser (so nennt man den Anteil, den jeder von uns in sich trägt wirklich) hat jahrelang so wichtige Arbeit geleistet und ich bin ihm so dankbar dafür. Er hat sich aber jetzt eine Pause verdient, weil ich durch all die Erfahrungen die machen musste gelernt habe, dass ich mir sehr wohl selbst vertrauen kann. Schon erstaunlich was sich so alles ergeben kann, wenn man sich dem Prozess hingibt und ihn einfach mal zulässt. So viele Dinge, die mich sonst aus der Ruhe gebracht hätten interessieren mich mittlerweile kein Stück mehr.

Ich bin aber auch noch mitten im Lernprozess aber schon echt weit gekommen. Diese Erfolge sind für andere nicht sichtbar aber mir bedeuten sie die Welt und ich habe gelernt, dass genau diese Erfolge wichtig sind. Erfolg bedeutet nicht, dass jeder sehen muss, was du erreicht hast. Wir sollten lernen Erfolg anders zu definieren. Jeder von uns hat sein Päckchen zu tragen. Ich würde euch an dieser Stelle den Song: Fenster von Max Giesinger empfehlen, wirklich super! Wir haben keine Ahnung was hinter den Fenster anderer Menschen so passiert und das sollte uns bewusst sein. Ich habe aber auch gemerkt, wie wichtig mir wieder die Dinge geworden sind, die wir für viel zu selbstverständlich halten. Ein Lächeln zum Beispiel. Ich hatte beim einkaufen einen tollen Moment. Ich habe jemanden vorgelassen und diese Person hat sich bedankt und gelächelt, was gibt es bitte schöneres? Für mich war das ein Highlight und ich war so glücklich. Das sind nämlich die wirklich wichtigen und schönen Momente. Jeder von uns kann anderen schöne Momente bescheren, indem wir wieder freundlich zu anderen Menschen sind. Was wir wohl irgendwie verloren haben. Deine Freundlichkeit kann jemand anderes den Tag retten, der/die gerade einfach echt viel Scheiße durchmachen muss. Einfach mal darüber nachdenken. Freundlichkeit kostet nichts.

Die Angst vor Veränderung ist fast wie verschwunden. Ganz im Gegenteil ich habe das Gefühl, dass ich absolut bereit bin für Veränderung und mich darauf freue, was ich so alles erleben darf, natürlich ist die Angst und der Aufpasser auch immer noch mit dabei, aber deutlich gedämpfter als vorher. All meine Verhaltensmuster, die mich jahrelang geschützt haben werde ich nicht von Heute auf Morgen ablegen und das muss ich auch gar nicht aber ich darf trotzdem herausfinden, wie es ist auch einfach mal zu leben. Für jemanden, der jahrelang alles unter Kontrolle haben musste fühlt es sich an wie Freiheit und verdammt, wie krass ist das bitteschön? Ich habe das Gefühl, als würde ich zum ersten Mal so richtig Leben. Schon verrückt. Ich bin fast 30 und habe jetzt erst das Gefühl so richtig zu leben..